Die Kunst des Lesens oder lebenslanges Lernen

Lebenslanges Lernen.

Es gibt kaum eine Kombination an Wörtern, die ich mehr hasse. Es ist nicht mal das Prinzip, das dahinter steht, welches ich hasse, sondern dass es überall und immer von uns erwartet wird. Vor allem im Beruf. Doch stellen wir meine Lieblingsfrage; Was steht hinter diesem Begriff und in welchem Bezug steht es zum Lesen?

Ja, Ja. Luki und seine philosophischen Fragen …

Damit wir wieder alle auf derselben Seite sind

Lebenslanges Lernen, das heißt, die persönliche Bereitschaft, sich veränderten Bedingungen in allen Lebensbereichen zu stellen, neugierig zu bleiben und aktiv das persönliche und gesellschaftliche Umfeld mitzugestalten.

https://km-bw.de/,Len/startseite/kultur_weiterbildung/Lebenslanges_lernen

Das ist mir noch zu kompliziert. Ich bin mir sicher, das können wir noch weiter herunterbrechen. Vor allem suchen wir ich keinen gesellschaftlichen Kontext. Ich würde den Fokus gerne ein wenig genereller legen.

Lebenslanges oder lebensbegleitendes Lernen umfasst “alles Lernen während des gesamten Lebens, das der Verbesserung von Wissen, Qualifikationen und Kompetenzen dient und im Rahmen einer persönlichen, bürgergesellschaftlichen, sozialen, bzw. beschäftigungsbezogenen Perspektive erfolgt” … Als lebenslanges Lernen wird demnach prinzipiell jedes Lernen – formal, non-formal, informell – in allen Lebensphasen – von der Kindheit bis ins Alter – verstanden.

https://erwachsenenbildung.at/themen/lebenslanges_lernen/was_ist_lll/definitionen.php

Auch sehr … wortreich, aber ich denke das können wir ich ein wenig runterbrechen.

Insgesamt beschreibt lebenslanges Lernen (LLL (Nein, nicht Lack-Leder-Latex)) ein Konzept, in dem ein Mensch, eine Person, während seiner gesamten Lebenszeit lernt. Besonderheit dabei ist doch die Selbst– und Eigenständigkeit des Menschen. Man wird nicht von außen angeleitet, sondern ist selber in der Verantwortung seine Herausforderungen und Chance wahrzunehmen und sich entsprechend darauf vorzubereiten.

Ich bin der Meinung, dass dies ein Ziel ist, welches jeder in seiner persönlichen Art und Weise verfolgen sollte. Nur daraus entsteht eigenes Wachstum und die Chancen darauf ein bessere Mensch zu werden. Ob es jetzt durch Japanisch lernen, ein Instrument zu beherrschen oder die Vorbereitung auf den nächsten Test ist. Solang man etwas hat, mit dem man seinen Horizont erweitert, ist man auf einem erfolgreichen Wege.

Doch kann man jedes Mal über den Tellerrand schauen? Sehen wir immer welche Horizonte wir erreichen können?

Ihr sitzt also da, habt grade euer Texthooking-Setup vollendet, nachdem ihr meinem Tutorial gefolgt seid und fangt an Visual Novels auf Japanisch zu lesen. Wahrscheinlich geht das sogar an einigen Stellen ganz gut, je nach Novel natürlich. Wenn ihr wie ich seit, jedoch, werdet ihr hin und wieder auf Wörter treffen, die ihr mehrmals mit Yomichan nachschlagen müsst, obwohl ihr diese schon zig-mal gesehen habt. Was tun?

https://visual-novel.info/anki-mining/

Bewusstes Handeln

Über manche Dinge macht man sich einfach keine bewussten Gedanken mehr. Ich muss nicht mehr bewusst nachdenken, wie ich Auto oder Rad fahre. Schreiben aber auch laufen kann wahrscheinlich jeder von uns, ohne auch nur eine Sekunde bewusst darüber nachzudenken. Alle diese Sachen haben wir bereits gelernt. Auch diese Dinge fallen unter LLL. Vieles haben wir zwar angeleitet bekommen, aber gelernt damit umzugehen, selbständig einzusetzen und zu transformieren haben wir eigenständig gemacht.

Aus dem Fahrrad mit den Stützrädern wurde eigenständiges Fahren bis wir dann Interesse am Einrad entwickelt haben. Wir wollten auch so cool sein wie die anderen Kids mit ihren Inlinern, also schnell selbst welche eingekauft und gelernt zu fahren. Der Kunstunterricht hat uns Anatomie beigebracht und wie man diese richtig zeichnet. Heute ist einer diese Schüler eine bekannte Künstlerin. Manch einer hat die musikalische Frühbildung besucht und besitzt heute vier Gitarren und spielt in einer Band als Leadgitarrist.

Radfahren, Inliner, Zeichnen, Musik; all diese Hobbys haben eine Sache gemeinsam, das eine mehr, das andere weniger. In jeder dieser Tätigkeiten hat man nie wirklich ausgelernt, wenn man möchte. Jeder würde sagen, dass man in der Kunst und der Musik nie ausgelernt hat. Man kann immer besser, immer konsistenter, immer extravaganter werden. Beim Fahrradfahren ist dieser Fakt schon nicht mehr so klar. Entweder man kann Fahrrad fahren oder nicht. Aber auch dort gibt es Möglichkeiten, im Sinne des LLL, sich selber zu erweitern.

Nun stelle ich euch die Frage: Welche Fähigkeit, welches Handeln, welches Wissen besitzt ihr, worauf ihr das Konzept LLL noch anwenden könnt? Gibt es irgendwas bei dem ihr denkt, dass ihr das Konzept des LLL nicht anwenden könnt? Nehmt euch gerne einmal die Sekunde darüber nachzudenken.

Eine bekannte Fähigkeit

Was macht ihr gerade in diesem Moment? Welche Fähigkeit nutzt ihr gerade, die ihr im Kindergarten beigebracht bekommen habt?

Auch die Fähigkeit des Lesens gehört dazu! Habt ihr euch je Gedanken darüber gemacht wie ihr lest?

In der Schule wurde nur ein Prinzip gefördert. Man schaut sich das Wort an, spricht es mit seiner inneren Stimme aus und zieht weiter zum nächsten Wort. Irgendwann konnte dann auch der letzte „Lesen“ und die Klasse ging weiter. Es wurden keine weiteren Gedanken mehr damit verbracht, ob man diese bereits erlernte Fähigkeit noch verbessern könnte. Aber auch die Fähigkeit zu lesen ist keine binäre Funktion. Auch diese Fähigkeit kann man weiter entwickeln. (Das Gleiche gilt übrigens auch für die weiteren Sinnesfähigkeiten, aber wir bleiben heute beim Lesen.)

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Oder mach es wie Natsuki! Lies nur Mangas!

“Luki, niemals kannst du das in XX Stunden geschafft haben.”

Fast alle meine Freunde haben diesen Satz in irgendeiner Variation schon zu mir gesagt und jedes Mal habe ich dasselbe geantwortet; „Doch ich hab es schon durchgelesen“. Ich habe damals selbst nicht verstanden, warum manche Menschen im Vergleich mit mir so langsam gelesen haben. Erklären konnte ich es auch niemanden, weil ich jedes Mal nur antworten konnte, dass ich einfach so schnell lese. Es hat einige Jahre gedauert bis ich endlich verstanden habe, woher diese riesige Differenz herkommt.

Wie vorhin schon beschrieben wird, einem Lesen beigebracht, indem man ein Wort nach dem anderen liest, es versteht und weiterzieht. Das sorgt dafür das die innere Stimme immer mit den Wörtern mitzieht und diese ausspricht. Dort liegt der Unterschied.

Ich besitze diese innere Stimme beim Lesen nicht. Dies führt dazu, dass ich nicht davon abgehalten werde, den nächsten Satz zu lesen. Ich muss nicht darauf warten, dass der vorherige Satz in meinem Kopf beendet wird. Sobald dieser Zwang wegfällt eröffnet sich eine neue Art zu lesen. Man lernt mehrere Wörter auf einmal zu lesen und kommt somit deutlich schneller durch seine Texte. Ich vergleiche es gerne mit der folgenden Fähigkeit:

Ihr knönt desien Txet tortdzem leesn.

https://www.dictionary.com/e/typoglycemia/

Unser Gehirn ist in der Lage deutlich mehr Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten als wir in der Schule gelernt haben. Das erfordert natürlich ein gewisses Level an Konzentration, wenn man dies nicht gewohnt ist, aber mit genügend Zeit wird auch das kinderleicht. An dieser Stelle muss ich jedoch klarmachen, dass dies keine „Lesetechniken“ sind, wie sie gerne im Deutschunterricht einmal genannt werden. Also hier wird kein Text geskimmt oder überflogen für die wichtigen Informationen. Es wird tatsächlich alles bewusst gelesen.

Spiele wie School Days haben bei mir infolgedessen auch nie wirklich Anklang gefunden. Wenn man einen Satz bereits gelesen hat und man jedes Mal noch mindestens 3 Sekunden warten muss, führt das bei mir nicht zum Spielspaß.

School Days war schon zu meiner Zeit als kleiner Bube ein Name, den man in der Anime-Szene kannte. Ich glaube, ich muss hier nicht erzählen wieso (schönes Boot). Jeder wusste, was an diesem Anime so besonders ist, nur die wenigstens wussten, dass das Source Material aus einer Visual Novel stammt.

https://visual-novel.info/impression-school-days-kann-die-alte-visual-novel-heute-noch-mithalten/

Natürlich kann man sich nun die Frage stellen, ob man mit dieser Art zu lesen nicht einen großen Teil von Visual Novels überspringt; die Voicelines. Vertonung ist einer der Gründe warum ich Visual Novels einem traditionellen Buch bevorzuge und natürlich überspringe ich viele Voicelines, wenn ich so schnell lese, weil ich nicht darauf warte bis diese ausgesprochen sind. Aber trotzdem stoppe ich an einigen Stellen, um mir nur die Stimmen anzuhören, weil in diesem Moment einfach besondere Emotionen über die Stimme übertragen werden. Bei Sugar*Style oder National Park Girls habe ich mir gerne mal ein wenig mehr Zeit gelassen.

I’m not someone that puts a heavy emphasis on voice acting. It is an important part of the experience as a whole, but it was never something that I actively paid attention to. But this time it was different. Especially Jessie in her ending scenes just sounded so powerful.

https://visual-novel.moe/national-park-girls-episode-4-eternal-evergreen-part-1

Schlussworte

Warum habe ich am Anfang meines Kommentars so viel Text über LLL verloren?

Weil ich behaupte, dass man diesen Prozess, diese Lesemethode, ganz einfach erlernen kann. So wie ich sie mir zum Anfang meiner Karriere als Mensch beigebracht hatte; komplett unterbewusst nebenbei. Wir sollten nicht aufhören zu lernen, wenn wir glauben etwas bereits zu beherrschen. Selbst bei Tätigkeiten, bei denen wir glauben, dass wir dort nichts mehr Neues erlernen können, lässt sich meist noch etwas finden, was wir verbessern können. Mit dem Motto, der Methode, des LLL lassen sich solche Momente und Möglichkeiten deutlich leichter und besser im Leben finden.

Mal von den ganzen beruflichen Vorteilen abgesehen, wenn man seinem Chef dieses Buzzword nennt.~

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